Böden ganz individuell: Digitaler Textildruck auf der viscom

24.08.2009 | Düsseldorf
Laminat- und Holzböden, Teppichen und Fliesen individuell: Dank digitaler Druckverfahren lässt sich heute jeder Bodenbelag in Kleinserien herstellen. Auf der viscom, Internationale Fachmesse für visuelle Kommunikation, die vom 1. bis 3. Oktober in Düsseldorf stattfindet, gibt es eine große Auswahl an Anwendungsmöglichkeiten zu sehen.

Gedruckt wird, was gefällt

Beim österreichischen Unternehmen Kaindl wird im wahrsten Sinne des Wortes neuer Boden betreten. Denn Die Kaindl Two-Kollektion hier veredelt man preisgünstiges heimisches Holz mit Digitaldruck. Ob exotische Hölzer aus fernen Regionen, Firmen-CIs, beliebige Muster, trendige Farben oder sogar Fotos - "gedruckt wird, was gefällt", erklärt Geschäftsführer Werner Bechtold. Die Digitaldruck-Produktlinie "Kaindl Two" ist in vier Editionen erhältlich, die Serie "Custom" lässt sich ganz nach Kundenwunsch gestalten. Die dafür notwendige Technik, ein patentiertes Verfahren, hat das Unternehmen in enger Zusammenarbeit mit der Tiroler Durst Phototechnik AG entwickelt. Dazu versieht man HDF-Panele mit einer 0,6 mm starken Echtholzplatte und beschichtet sie. Im Single-Pass-Inkjet-Verfahren werden die Dielen dann berührungslos mit speziell entwickelten UV-Tinten bedruckt und mit einem mehrlagigen Lack veredelt, so dass eine Haltbarkeit entsteht, die herkömmlichen Parkettböden sogar überlegen ist.

Das italiensche Unternehmen Bipan SPA - Division Astrid verfolgt einen ähnlichen Ansatz. Unter dem Handelsnamen "Next Floor" bietet es schon seit einiger Zeit leicht zu verlegende Paneele auf der Basis von Hartholz, HDF-Platten und Kunststofflaminat, die mit individuellen Dekors bedruckt werden können. Auch hier handelt es sich um ein patentiertes Verfahren, gedruckt wird mit einem Continuous-Inkjet-Digitaldrucksystem von Kodak. Die Paneele erreichen die höchste Abriebklasse AC5 und lassen sich daher auch im professionellen Shop- und Objektbereich einsetzen. Durch das Inkjet-Verfahren ist die Anzahl der möglichen Dekors, ob mit oder ohne Rapport, praktisch unbegrenzt.

Korkböden mit digital gedruckter Oberfläche"Acht von zehn Verbrauchern finden Kork sympathisch als Fußbodenbelag, sechs davon würden jedoch ein Korkparkett nie kaufen, weil es eben wie Kork aussieht", meint Edwin Lingg, zusammen mit Alfred Lingg Geschäftsführer der schweizerischen Li & Co GmbH. Sein Unternehmen veredelt das fußwarme und Trittschall dämmende Material mit einem Rho 600 Rapid der Durst Phototechnik AG. Die "Printcork"-Kollektion umfasst dreißig verschiedene Oberflächen wie etwa Lärche antik oder Schiefer Sardo. Eine hochstrapazierfähige Lackschicht sorgt auch hier für lange Haltbarkeit.

Auch bei der Produktion textiler Böden hält die Digitaltechnik Einzug, etwa in Belgien. Dort verwandelt die Teppichdruckanlage von S-Print- Inhaber Geert De Clercq mit Hilfe eines riesigen Magnetventil-Druckkopfes innerhalb einer Stunde 150 Quadratmeter weißen Teppichs in brillant farbigen Bodenbelag. Das Herzstück der Anlage ist ein Chromojet 800 des Kufsteiner Textilmaschinenbauers Zimmer Austria. 6 von bis zu 50 dpi. So lassen sich erstmals sogar Schriften bis zu einer Höhe von etwa 1,5 cm darstellen. Als "Floorpromotion" vermarktet De Clercq seine individuellen Teppiche vor allem im Messebau oder Event-Design, denn die Mindestbestellmenge beträgt nur zehn Quadratmeter. Doch weil sie in punkto Lichtechtheit, Abriebfestigkeit und Widerstandsfähigkeit den für ihre konventionell produzierten Vettern festgelegten internationalen Normen entsprechen, sind sie auch langfristig im Objektbereich einsetzbar.

Sogar Fliesen lassen sich heute digital verzieren: Die Durst Phototechnik AG hat bereits zahlreiche Maschinen des Typs Gamma 60 an Hersteller aus Spanien und Italien abgesetzt. Viele spanische und italienische Fliesenhersteller setzen Digitaldruck bereits im Produktionsprozess ein.Der Anwender Tres Estilos erhielt 2008 für eine mit Hilfe von Digitaldruck hergestellte Kollektion sogar den begehrten "Alfa de Oro"-Preis des spanischen Verbandes der Fliesen- und Glasindustrie. Weil mit keramischen Tinten gedruckt wird und die Weiterbehandlung dem herkömmlichem Fliesen-Produktionsprozess entspricht, lassen sich die gleichen Haltbarkeiten wie im konventionellen Prozess erreichen, die Flexibilität ist jedoch bedeutend größer: Da Farb- und Siebwechsel sowie die damit verbundenen Reinigungsarbeiten wegfallen, kann theoretisch jede Fliese anders aussehen. Bei Dekoren, die Naturstein nachempfunden sind, ist dies sogar der Fall, denn die Durst Phototechnik AG bietet dafür eine spezielle Software an: So entsteht Vielfalt wie in der Natur statt dröger Klone, die den Naturstein-Charakter des verlegten Bodens zerstören würden.

Schöner Nebeneffekt: Weil sich die Natur mit Digitaldruck heute so gut nachahmen lässt, wird diese dadurch sogar geschützt. Denn für edle Böden müssen keine Tropenhölzer mehr gefällt, keine Natursteinvorkommen mehr ausgebeutet werden. Und wer es weniger naturnah bevorzugt, der hat dank Digitaldruck die Möglichkeit, fast alle denkbaren Dekore zu verwirklichen, und das mit einem Minimum an Umweltbelastung durch Farben, Reinigungsmittel oder Abfallmaterial. Wenn das nicht eine glänzende Zukunft verheißt...

Quelle: Pressemeldung Reed Exhibitions Deutschland GmbH

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